

Wie wollen wir aktuell und in naher Zukunft wohnen? Ein Blick auf die derzeit prägenden Strömungen zeigt: Nach Jahren des reduzierten Minimalismus rückt wieder mehr Charakter, Materialität und Persönlichkeit in den Vordergrund. Ein Trendbild, das sich auch für 2027 weiter festigen dürfte, statt kurzfristig wieder zu kippen.

Handwerk zählt aktuell zu den großen Themen im Interior-Bereich, besonders sichtbar wird das dort, wo Flächen wirken dürfen: bei Vorhängen und Tapeten. Textilien werden nicht mehr nur als Hintergrund verstanden, sondern als gestaltendes Element mit Tiefe, Struktur und Geschichte. Statt glatter, industriell wirkender Oberflächen sind Materialien gefragt, die Herkunft und Herstellung erkennbar lassen. Dieser Trend ist saisonunabhängig und dürfte auch 2027 Bestand haben, da er weniger eine Mode als eine grundsätzliche Werteverschiebung widerspiegelt. MÖBELMARKT
Möbel und Wohnaccessoires wirken derzeit fließender und weicher. Organische Formen zeigen sich sowohl im Material als auch im Muster. Oberflächen erinnern an Stein, Mineralien, Glas oder Holz: natürliche Strukturen, die bewusst unperfekt wirken, dabei aber hochwertig bleiben. Ergänzt wird das durch experimentelle Materialkombinationen: Gegensätzliche Materialien und Techniken treten in unerwartete Kollaboration, während Objekte mit Retro-Charme Erinnerungen wecken, die neue Präsenz in der Gegenwart finden. Messe Frankfurt
Gleichzeitig bleibt Langlebigkeit ein Thema: Gefragt sind unkonventionelle, durchdachte Designs mit modularer Anpassungsfähigkeit. Möbel, die sich wandeln lassen, statt nach kurzer Zeit ausgetauscht zu werden. Gerade dieser Anspruch an Wandelbarkeit dürfte über 2026 hinaus weiter an Bedeutung gewinnen, da er sich mit wirtschaftlicher Zurückhaltung beim Möbelkauf gut verträgt: Wer investiert, will länger etwas davon haben. Messe Frankfurt

Die Zahlen bestätigen, was sich anekdotisch schon länger abzeichnet: Für 65,3 Prozent der befragten Verbraucher:innen ist Nachhaltigkeit beim Möbelkauf wichtig oder sehr wichtig. Das betrifft nicht nur Materialherkunft, sondern zunehmend auch Langlebigkeit und Reparierbarkeit als Kaufargument. Da sich Verbraucherpräferenzen bei diesem Thema erfahrungsgemäß nur langsam ändern, ist davon auszugehen, dass Nachhaltigkeit auch 2027 ein zentrales Auswahlkriterium bleibt eher mit steigender als sinkender Tendenz. Imm-cologne

Der Möbelkauf lässt sich längst nicht mehr über eine Zielgruppe hinweg gleich denken: Gen Z, Millennials, Generation X und Best Ager kaufen Möbel unterschiedlich. Das Kaufverhalten ist geprägt von Budget, Wohnsituation und Alltag. Wer im Mid- und Low-Price-Segment erfolgreich sein will, muss Sortimente stärker an Lebensphasen und konkretem Nutzwert ausrichten. Imm-cologne
Besonders bei jüngeren Zielgruppen zeigt sich ein weiterer Wandel: Für die Generation Z und jüngere Millennials ist Co-Creation beim Möbelkauf selbstverständlich geworden, etwa durch Anbieter, die per App und AR-Funktion eine individuelle Anpassung an den eigenen Raum ermöglichen. Da diese Generationen in den kommenden Jahren einen wachsenden Anteil der Käuferschaft ausmachen werden, dürfte der Anspruch an Individualisierung und digitale Mitgestaltung 2027 eher zu- als abnehmen. Imm-cologne
Die aktuellen Strömungen wirken weniger wie kurzlebige Modeerscheinungen, sondern eher wie Antworten auf grundsätzliche Fragen: Wie viel Individualität braucht mein Zuhause? Wie langlebig soll ein Möbelstück sein? Genau diese Fragen dürften auch 2027 die Richtung vorgeben – mit einer Tendenz zu noch stärker individualisierten, materialbewussteren und generationengerechteren Sortimenten.
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