

Jedes Jahr dasselbe Bild: Dezember rückt näher, die Ordersaison hat neue Modelle gebracht, und auf der Fläche oder im Lager stehen Stücke, die eigentlich schon längst einen neuen Besitzer haben sollten. Für viele Händler:innen endet das in einem Dilemma: Entweder man verkauft unter Wert und schadet der Marge, oder man schleppt den Bestand ins neue Jahr und bindet damit Kapital und Fläche, die dringend gebraucht werden. Beides ist keine gute Option. Doch es geht auch anders.

Bevor der erste Rabatt ausgezeichnet wird, lohnt sich ein klarer Blick auf den Bestand. Welche Artikel stehen seit wann? Welche davon sind tatsächlich margenrelevant, welche laufen ohnehin aus? Nicht jedes Modell ist ein Problem, manche Stücke verkaufen sich saisonal verzögert, andere hängen an einem einzelnen Beratungsgespräch. Eine einfache ABC-Analyse des Bestands schafft Klarheit darüber, wo wirklich Handlungsbedarf besteht und wo man in Ruhe abwarten kann.
Der häufigste Fehler: pauschal 20 oder 30 Prozent auf alles, was nicht läuft. Das sendet das falsche Signal an die Kundschaft und untergräbt langfristig die Preisglaubwürdigkeit. Smarter ist eine differenzierte Strategie:

Händler:innen, die Ausstellungsstücke loswerden müssen, unterschätzen oft den Vorteil der sofortigen Verfügbarkeit. Gerade in der Vorweihnachtszeit, wenn Lieferzeiten das Schenken oder Einrichten zum Problem machen, ist „sofort mitnehmbar“ oder „Lieferung noch vor Weihnachten“ ein echtes Kaufargument. Diese Botschaft sollte aktiv und sichtbar auf der Fläche, in der Werbung und in den sozialen Medien kommuniziert werden.
Nicht jeder Restbestand muss um jeden Preis vor dem 31. Dezember weg. Manches lässt sich auch sinnvoll ins Folgejahr mitnehmen, etwa wenn ein Modell zwar langsam dreht, aber zur neuen Kollektion noch gut passt oder als Komplementärstück funktioniert. Entscheidend ist eine bewusste Entscheidung: Was bleibt, weil es Sinn ergibt und was bleibt, weil man es bisher nicht angegangen hat? Letzteres kostet Geld, Nerven und Platz.
Jahresendgeschäft und Bestandsbereinigung müssen kein Widerspruch zur eigenen Preisstrategie sein. Wer früh analysiert, gezielt kommuniziert und mit Köpfchen bündelt statt blind zu reduzieren, schafft Platz für das Neue ohne die Marge zu opfern oder das Markenbild zu beschädigen. Der Schlüssel liegt nicht im günstigsten Preis, sondern im besten Argument.

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Bildquelle: Alliance Möbel